‚Gendergerechte‘ Sprache, Ungleichheit und Bildung

Im folgenden Beitrag werden Probleme und Lösungen einer ‚geschlechterneutralen oder -gerechten‘ Sprache mit der Zielsetzung der gleichen Repräsentation einerseits und der Verständlichkeit der Sprache sowie der bisher geringen Akzeptanz in der Bevölkerung andererseits diskutiert. Hierbei gilt es insbesondere auch die — bisher wenig beachtete — Bildungsungleichheit zu berücksichtigen.

Was ist das Problem?

Seit den späten 1970er Jahren wurde von feministisch geprägten Sprachwissenschaftlerinnen die These aufgestellt, dass sich die männliche Herrschaft in der Gesellschaft auch sprachlich ausdrücke, was unter anderem zur geringen Sichtbarkeit und Relevanz von Frauen im öffentlichen Bewusstsein beitrage, d.h. zur Begründung und Reproduktion dieser Herrschaft (vgl. ). Im Zentrum dieser Kritik steht, dass in der deutschen Sprache geschlechtlich gemischte Gruppen traditionell nur in der männlicher Form benannt werden, was auch für Angehörige weiblichen Geschlechts gelten soll (sog. ‚generisches Maskulinum‘). D.h. dass z.B. mit dem Ausdruck ‚die Politiker‘ auch Frauen (‚Politikerinnen‘) mit gemeint und repräsentiert sein sollen. Infolge der feministischen Kritik haben sich seitdem zuerst in akademischen Kreisen und ’neuen sozialen Bewegungen‘ sowie grün-alternativen Milieus diverse alternative, feminisierte Personenbezeichnungsformen verbreitet, wie z.B. das ‚Versalien-I‘, so dass dann z.B. von ‚PolitikerInnen‘ statt Politikern die Rede ist. In den letzten Jahren trat die Diskussion um eine ‚gendergerechte‘ oder ‚-sensible‘ Sprache immer mehr aus den engeren akademisch geprägten und politisch bewegten Zirkeln heraus in die Massenmedien und von dort in das breite gesellschaftliche Bewusstsein. Dass dabei meist vom englischen ‚Gender‘ die Rede ist, folgt der sozialwissenschaftlichen Konvention, die soziale Prägung der Geschlechteridentität zu betonen und biologische oder natürliche Grundlagen als eher nachrangig zu behandeln. Zum letzteren trägt vermutlich auch bei, dass die Gestaltbarkeit der Körper hinsichtlich der Geschlechtsidentität technisch-medizinisch zunimmt, wie auch die dahingehende gesellschaftliche Akzeptanz und Nachfrage. Mit der zunehmenden Wahrnehmung der Diversität geschlechtlicher und sexueller Identitäten (u.a. der Trans- oder Intersexualität) entwickelte sich aber auch die Frage des ‚gendergerechten‘ Schreibens und Redens weiter. Denn damit stellt sich nunmehr grundsätzlich die Frage der Angemessenheit binär geschlechtlicher (weiblicher oder männlicher) Personenbezeichnungen. Denn auch bei einer feminisierten Sprachverwendung wären immer noch jene Menschen nicht direkt sprachlich repräsentiert, die sich nicht der binären geschlechtlichen oder sexuellen Ordnung zordnen können oder wollen. Auch deshalb werden immer häufiger geschlechtsneutrale Formen der Personenbezeichnung gefordert, verwendet oder geschaffen (z.B. ‚Studierende‘).

Neben der Frage der angemessenen Repräsentation unterschiedlicher Geschlechter oder Gender stellt sich aber auch die der Akzeptanz und Verständlichkeit oder Praktikabilität der unterschiedlichen sprachlichen Änderungen oder Neuschöpfungen. Laut repräsentativ angelegten Umfragen wird das sprachliche ‚Gendern‘ bisher nämlich nur von 10% der Bevölkerung voll und von 16% eher beführwortet, von der großen Mehrheit (65% ) aber mehr oder weniger deutlich abgelehnt — offenbar sogar mit steigender Tendenz (vgl. Infratest 2021). In keiner der näher betrachteten Teilgruppen gibt es bisher für das ‚Gendern‘ eine Mehrheit, weder bei Frauen oder Jüngeren noch bei höher Gebildeten, wobei vor allem geringer gebildete und ältere Menschen besonders häufig dem ‚Gendern‘ ablehnend gegenüber stehen (ebd.). Nun werden zwar sprachliche Neuerungen zunächst immer als ungewohnt empfunden und damit als sperrig oder kompliziert, woraus häufig eine Ablehnung resultiert, weil sie eine Störung der gewohnten symbolischen Ordnung und Orientierung bedeuten. Diese ablehnenden Haltungen dürften zwar mit der Zeit und dem Lernen oder der Gewöhnung nachlassen, was aber vermutlich sozial sehr ungleich verteilt sein dürfte. Dass ältere und weniger gebildete Menschen weniger geneigt sind, sprachliche Neuerungen zu begrüßen oder sich damit auseinanderzusetzen, ist wenig überraschend, aber als Problem sozialer Ungleichheit in der Diskussion bisher wenig beachtet worden.

Insofern ist bei der Diskussion um eine ‚gendergerechte‘ Sprache auch der Aspekt oder das Problem zu beachten, dass formal gering gebildete Menschen bzgl. Lesekompetenz und -verhalten ohnehin stark benachteiligt sind und dass durch neue, als komplizierter wahrgenommene oder objektiv kompliziertere Schreib- oder Redeweisen im — eigentlich berechtigten — Interesse einer ‚gendergerechten‘ Sprache zumindest kurz- und mittelfristig eine weitere Vertiefung der ohnehin krassen Bildungsungleichheit droht. Insofern stellt sich die neben der angemessenen sprachlichen Repräsentation der Geschlechter wichtige Frage, welche Auswirkungen des sprachlichen ‚Genderns‘ auf die Verständlichkeit von Texten oder Reden entstehen und welche Konsequenzen daraus auch im Hinblick auf die Bildungsungleichheit zu ziehen wären. Damit wird zugleich und erneut die Bedeutung einer gleichzeitigen oder ‚intersektionalen‘ Betrachtung verschiedener Aspekte sozialer Ungleichheiten deutlich (Geschlecht, Ethnie, Einkommen oder Bildung). Dabei zeigen aber z.B. dahingehende Analysen zu den Ursachen von Armut, dass hierbei vor allem der Bildung (und nicht Geschlecht oder Ethnie) eine Schlüsselrolle zukommt (vgl. z.B. ).1

Gendergleichheit durch welche Art der Personenbezeichnung?

Zunächst hat sich in den geistes- und sozialwissenschaftlichen Bereichen von Universitäten mit ihren Publikationen und in sozialen Bewegungen, dann aber auch in den (stark akademisch geprägten) Massenmedien, eine ‚feminisierte‘ Sprache entwickelt und verbreitet, wobei zuerst ein großes I bei Personenbezeichnungen eingeführt wurde (‚Versalien-I‘), so dass z.B. von ‚PolitikerIinnen‘ die Rede ist. Später tauchten weitere ähnliche Varianten auf, mit Sternchen, Unterstrich oder Doppelpunkt, so dass es dann z.B. ‚Politiker*innen‘, ‚Politiker_innen‘ oder ‚Politiker:innen‘ hieße. Dass hierbei jeweils auch Politiker mit gemeint sein sollten, wurde mit der symbolischen Unterbrechung durch die verschiedenen Zeichen signalisiert. Beim Sprechen oder Vorlesen erklingt hierbei aber tendenziell doch nur die weibliche Form, weshalb neuerdings eine kurze Kunstpause bei den jeweiligen Unterbrechungszeichen eingelegt wird, um zu signalisieren, dass nicht nur die vom Klang dominante weibliche Form gemeint sein soll. Dennoch entsteht damit tendenziell ein ‚generisches Femininum‘, mit einer entsprechenden überwiegenden Repräsentation von Frauen, d.h. zumindest im Grundsatz oder langfristig eine tendenzielle Umkehrung der Genderungleichheit.

Als eine weitere Alternative hat sich die Doppelnennung von Geschlechtsbezeichnungen in der weiblichen und männlichen Form (‚Politikerinnen und Politiker‘) eingebürgert, was zudem weniger von den üblichen Sprachgewohnheiten abzuweichen scheint. Diese Variante verbreitete sich entsprechend auch stärker im politischen Betrieb und bei öffentlichen Reden, wo z.B. fast schon selbstverständlich von ‚Politikerinnen‘ und Politikern‘ oder ‚Bürgerinnen und Bürger‘ die Rede ist. Dass hierbei zwangsläufig eine Reihenfolge der Geschlechtsbezeichnungen entsteht, kann als Ungleichheitsfaktor wohl vernachlässigt werden. Damit wird aber nur die Gleichheit zwischen Männern und Frauen signalisiert, während Menschen, die sich dieser binären Ordnung entziehen oder nicht zuordnen möchten oder können, wiederum nur ‚mit gemeint‘ sind. Zwar handelt es sich dabei nur um eine sehr kleine Minderheit (zumindest noch, wobei kaum verlässliche Zahlen dazu vorliegen und Schätzungen durch politische Interessen in die eine oder andere Richtung verzerrt sein dürften), jedoch findet diese Frage der ‚Gender-Diversität‘ zusehends mehr öffentliche Aufmerksamkeit.

Insofern erscheint drittens die Vermeidung oder Umgehung geschlechtsbezogener Ausdrücke als Variante des ‚gendersensiblen‘ Redens und Schreibens, wobei dieses aber nicht immer leicht fällt, weil Ausdrücke fehlen und neu geschaffene Begriffe wenig überzeugend wirken. Während z.B. ‚Studierende‘ anstelle von Studentinnen und Studenten noch einigermaßen praktikabel und überzeugend scheint, drängen sich z.B. bei ‚Politikerinnen‘ und ‚Politikern‘ kaum sinnvolle, nicht geschlechtsbezogene, Bezeichnungen auf, die den passenden Sinn transportieren. Denn ‚Politisierende‘ oder ‚Politische‘ trifft die gemeinte Bedeutung jedenfalls nicht, vielleicht wäre ‚politisch Entscheidende‘ hier eine Lösung. Noch weitergehende Varianten sehen die Neuschaffung nicht geschlechtsbezogener Personenbezeichnungen vor, wie z.B. ‚Profex‘ oder Profssx‚ als Ersatz für ‚Professorinnen‘ und ‚Professoren‘, was aber bisher nur sehr vereinzelt gefordert wird und noch weniger Chancen auf eine allgemeine gesellschaftliche Anerkennung und Durchsetzung haben dürfte.

Empirische Befunde

Wirkung unterschiedlicher ‚genderbezogener‘ Schreibweisen bzgl. der Repräsentation von Frauen

Die feministische These der nicht nur symbolischen Benachteiligung von Frauen durch das ‚generische Maskulinum‘ wurde empirisch immer wieder untermauert, wobei experimentelle Studien zu alternativen Schreibweisen und daran anküpfende Fragen und Tests zeigen, dass bei der Verwendung des ‚generischen Maskulinums‘ in den Köpfen der Lesenden wirklich häufiger Männer als Frauen vergegenwärtigt oder erinnert werden; Frauen werden also durch diese traditionelle Art zu sprechen und zu schreiben im öffentlichen Bewusstsein tendenziell marginalisiert (vgl. ; ). Letzteres ist allerdings auch kontextabhängig, wobei die reale Seltenheit von Frauen in vielen gesellschaftlich relevanten Positionen und damit verbundene Gewohnheiten und Erwartungen in den Köpfen der Rezipierenden ebenso einen Einfluss ausüben (vgl. ; ).

Des weiteren zeigen weitere Experimente, dass feminisierte Schreibweisen, wie z.B. die am längsten eingeführte Variante des ‚Versalien-I‘ (‚PolitikerInnen‘), ebenso ein asymmetrisches Denken mit sich bringt, nun aber mit einem Übergewicht der Frauenreferenz (; ). Dieses stützt die These, dass damit tendenziell ein ‚generisches Femininum‘ eingeführt wird und eine Umkehrung der sprachlichen Genderungleichheit, auch wenn eingewandt werden muss, dass angesichts der faktisch noch längst nicht beseitigten sozialen Ungleichheit zuungunsten von Frauen zumindest eine temporäre sprachliche Bevorzugung geboten oder berechtigt sein könnte. Schließlich zeigt jedoch die paritätische Nennung beider Geschlechter (z.B. Politikerinnen und Politiker) tatsächlich eine ausgewogene Repräsentation im Gedächtnis der Rezipientinnen und Rezipienten, während dieses bei geschlechtsvermeidenden Formulierungen wiederum in hohem Maße vom Kontext abzuhängen scheint und wozu zudem kontroverse Forschungen vorliegen (vgl. ).

Qualität der geschlechtergerechten Sprache und Bildungsungleichheit

Bei der Geschlechtergleichheit bzgl. des Sprechens und Schreibens sollte auch die Sprachqualität und Akzeptanz in der Bevölkerung berücksichtigt werden, was bisher kaum beachtet wurde, weil zunächst die Frage der angemessenen sprachlichen Repräsentation von Frauen im Vordergrund des stark feministisch motivierten Forschungsinteresses stand (vgl. ). Vor allem die Verständlichkeit der öffentlichen und medial verwendeten Sprache ist angesichts der oben aufgezeigten Ablehnung des ‚gendergerechten‘ Redens und Schreibens, vor allem bei formal gering gebildeten Menschen, von Bedeutung. Dieses gilt insbesondere angesichts der in Deutschland seit Jahren beklagten großen Bildungsungleichheit, was sich auch und gerade bei der Lesekompetenz und im damit zusammenhängenden Leseverhalten zeigt. Die Verständlichkeit von Texten hängt grundsätzlich von der Schwierigkeit von Worten und Sätzen ab, wobei neben der Länge die Bekanntheit zur leichteren Verständlichkeit von Worten und Texten beitragen. D.h. je kürzer Worte und Sätze sind, je verbreiteter Worte oder Formulierungen sind und je früher diese im Verlauf des Lebens erlernt wurden, desto einfacher werden sprachliche Ausdrücke empfunden (vgl. , S. 294). Dazu dürfte auch die grundsätzliche Motivation, Wörter oder Schreibweisen zu lernen, Einfluss auf die Wahrnehmung der ‚Tauglichkeit‘, Schwierigkeit oder Attraktivität von Texten beitragen, was insbesondere wieder mit dem Grad der Bildung und der dahingehenden Übung einhergehen dürfte.

Angesichts der Tiefe der Verinnerlichung der Sprachregeln und der ‚Rechtschreibung‘ von Kindesbeinen an, dürften dahingehende Neuerungen nur durch bewusste Anstrengungen und meist nur langsam zu erreichen sein, weil sowohl psychologische wie sozial motivierte Widerstände zum Tragen kommen. Deshalb werden sprachliche Neuerungen zunächst häufig als ‚unnatürlich‘, ‚künstlich‘, weniger ‚elegant‘ oder gar unsinnig und lächerlich erlebt. Dadurch wird aber wiederum die Dominanz der herrschenden symbolischen Ordnung mit der gültigen ‚Rechtschreibung‘ bestätigt, welche eben als selbstverständlich, ’natürlich‘ oder ‚elegant‘ und einfach erlebt wird, obwohl es sich hierbei immer um willkürliche Setzungen handelt (insbesondere des Staates und seiner Dienenden, zuvorderst der Lehrkräfte). Durch das Erlenen und Eingehen der ‚Rechtschreibung‘ in die Köpfe der Menschen kommt es aber immer mehr zu einer selbstverständlichen Übereinstimmung von mentalen und objektiven Strukturen (vgl. , S. 95). Dazu kommt, dass die Diskussionen und Fragen der ‚Rechtschreibung‘ sowie Sprachkritik von akademisch Tätigen dominiert werden, als mächtige Inhaber ‚kulturellen und symbolischen Kapitals‘ (siehe Bourdieu), so dass sich auch infolgedessen ‚das normale Volk‘ und insbesondere die geringer Gebildeten von solchem Treiben eher fern halten (und auch fern gehalten werden) und dieses dann als ‚Wortklauberei‘, ‚Haarspalterei‘, Spiegelfechterei‘ oder ‚Streit um des Kaisers Bart‘ empfinden. Übrigens darf dabei (siehe Bourdieus Analysen) durchaus angenommen werden, dass die demonstrative Verwendung der neuesten oder immer neuen, angesagten Schreibweisen unter den akademisch Tätigen auch dem Motiv der Hervorhebung oder Distinktion geschuldet ist.

Daraus folgt aber auch, dass eine ‚objektive‘ Einschätzung der Qualität von Texten hinsichtlich ihrer Verständlichkeit und ästhetischen Qualität nur schwer zu erreichen sein dürfte und dass hier subjektive Urteile darüber erwartungsgemäß entsprechend verzerrt sein dürften. Deshalb erscheint vor allem die Messung der tatsächlichen Lesegeschwindigkeit (oder die Beobachtung von Augenbewegungen) und Wissenstests nach dem Lesen als aussagekräftig, während Befragungen zum subjektiven Eindruck von Texten stark verzerrt sein könnten. Vorliegende Studien leiden häufig darunter, dass zum einen subjektive Einschätzungen der Qualität von Texten überwiegen oder dasss nur oder vor allem jüngere und höher gebildete Studierende in den Stichproben vertreten, d.h. überrepräsentiert sind (vgl. ). Da davon auszugehen ist, dass höher Gebildete einerseits höhere Lesekompetenzen aufweisen als die Normalbevölkerung und insbesondere geringer Gebildete und dass Studierende bereits in hohem Maße vertraut sein dürften mit den ‚Gender-Schreibweisen‘ (und diese auch eher akzeptieren), erscheint die Aussagekraft und Repräsentativität der genannten Studien somit oft sehr fragwürdig.

Dennoch scheinen Texte mit dem generischen Maskulinum tendenziell eher etwas schneller und leichter erfasst zu werden als Texte mit dem ‚Versalien-I‘ oder neutralisierenden Bezeichnungen, während die paritätische Nennung von Frauen und Männern kaum geringere Lesegeschwindigkeiten mit sich brachte — zumindest unter den Studierenden (, S. 298). Insofern ist aus der Sicht der Verständlichkeit von Texten die doppelte Nennung oder geschlechtsneutrale Formulierung zu bevorzugen. Bei der subjektiven Wahrnehmung der sprachlichen Ästhetik zeigt sich, dass das ‚generische Maskulinum‘ insbesondere von Männern eher etwas besser bewertet wird, während Frauen der Variante mit dem ‚Binnen-I‘ plus genusneutralen Formen eher positiver gegenüber stehen, insbesondere im Vergleich zu den Einschätzungen der männlichen Studierenden diesbezüglich (ebd.). Besonders ungeläufige sprachliche Formen wie ‚Ärzt/inn/e/n‘ oder ‚das Bad besuchende Personen‘ anstatt ‚Badegäste‘ führen offenbar zu negativeren Bewertungen ‚gendersensibler‘ Sprache (vgl. ). Deshalb erwies sich das Personenbezeichnungsmodell aus Paarformen und genusneutralen formulierungen als Möglichkeit, durchgängig geschlechtergerechte Formulierungen zu verwenden, ohne größere Einbußen bei der Lesbarkeit oder eine negative Einschätzung der sprachlichen Ästhetik in Kauf nehmen zu müssen ().

Fazit

Zusammenfassend ist zu betonen, dass sowohl der Aspekt der Bildungsungleichheit wie auch das diesbezügliche Distinktionsverhalten der akademisch Tätigen in der Diskussion um eine ‚gendergerechte‘ Sprache zu wenig berücksichtigt wurden, weshalb ich hiermit einen dahingehenden Denkanstoß geben möchte. Grundsätzlich erscheint die Vermeidung des Geschlechtsbezugs an sich als beste Variante, um eine gleiche Repräsentation unterschiedlicher Geschlechteridentitäten in den Gedächtnissen der Hörenden und Lesenden zu erzielen und auch eine einigermaßen gute Verständlichkeit und Akzeptanz der Sprache zu gewährleisten, auch in der breiten und insbesondere der geringer gebildeten Bevölkerung. Allerdings gilt dieses nur für einfache, dem gewohnten, ’normalen‘ Sprachgebrauch möglichst nahekommende Wendungen, während weniger gewohnte und weniger passende oder sperrig erscheinende Formulierungen oder gar sprachliche Neuschöpfungen und Ungetüme wie ‚Profex‘ (anstelle ‚Professorin‘ oder ‚Professor‘) eine Verschlechterung der Verständlichkeit oder ‚Lesbarkeit‘ von Texten mit sich bringt und somit zur Verschärfung der ohnehin krassen Ungleichheit der Lesekompetenz und Bildungsungleichheit beizutragen droht. Der weithin im akademischen Milieu praktizierte feminisierte Sprachgebrauch durch ein Versalien-I oder andere ähnliche Varianten wie * oder : bringen sowohl eine Dominanz der Frauenrepräsentanz in den Gedächtnissen der Rezipierenden mit sich wie auch eine tendenziell eher schlechtere Verständlichkeit. Damit droht tendenziell ein ‚generisches Femininum‘ und eine Umkehrung der aktuellen Genderungleichheit, zumindest theoretisch. Dieses gilt grundsätzlich auch, wenn Kunstpausen beim Sprechen eingelegt werden, wobei dieses wiederum zusätzlich zur schlechteren Verständlichkeit der Sprache und damit zur Bildungsungleichheit beitragen dürfte. Eine pragmatische Lösung einer gendergerechten Sprache bietet insofern die Doppelnennung von weiblicher und männlicher Form (Bürgerinnen und Bürger), womit sowohl eine angemessene Repräsentation von Männern und Frauen in den Köpfen der Rezipierenden wie auch eine sehr gute Verständlichkeit und Akzeptanz erzielt wird, weil es der normalen Form des Sprechens und Schreibens am nächsten kommt. Allerdings werden damit andere, wenn auch seltene, Geschlechtsidentitäten (wie z.B. ‚intersexuelle‘) nicht direkt sprachlich repräsentiert, was aber durch eine ergänzende Benutzung neutraler Benennungen kompensiert werden könnte, so dass primär die Doppelnennng und ergänzend — wenn es passt — geschlechtsneutrale Formulierungen verwendet werden könnten.

Literatur

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Fußnoten

Fußnoten
1 So sind bis heute Frauen in mächtigen oder elitären gesellschaftlichen Positionen und Bereichen insgesamt unterrepräsentiert und benachteiligt (vgl. ). Andererseits haben hoch gebildete Frauen in der Regel deutlich bessere Chancen auf hohe Einkommen, gesellschaftliches Ansehen und eine hohe Lebensqualität als ärmere und gering gebildete Männern, zumal Männer auch insgesamt bzgl. Lebenserwartung und Gesundheit benachteiligt sind (vgl. ; ; ), was wiederum in der Diskussion um ‚Gendergleichheit‘ kaum beachtet wird (so z.B. im Gleichstellungsbericht der Bundesregierung ).

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